Montag, 21. Juli 2008

wer hat an der uhr gedreht?

Ich kann es kaum fassen. Die Kreuzchen, welche auf meinem selbstgekritzelten Tagebuchkalender die bereits verstrichenen Tage markieren, vervielfachen sich in einer Geschwindigkeit, mit der ich nicht einverstanden bin. Aber dies kuemmert sie offenbar nicht im Geringsten. Waren es doch eben noch neun Monate (drei Seiten voller kleiner Quadrate), sind jetzt noch jaemmerliche sieben Tage uebrig. Sieben Tage, in denen ich am Liebsten in ganz Neuseeland gleichzeitig waere.

Als wir in Dunedin zum ersten Mal verabschieden mussten, konnte ich nicht so recht glauben, all diese Menschen teils fuer eine sehr lange Zeit, teils nie wieder zu sehen. Nun ja, zu dieser Zeit wusste ich auch noch nicht, dass ich es nochmal in diese grossartige Kleinstadt schaffen werde.

Ganz anders war dies zwei Monate spaeter in Napier. Eine Woche voller Gedanken-, Rezept- und illegaler Musikaustausche folgte ein Drei-Tages-Ausflug, erst nach Taupo, wo Anna und ich auf 15.000 feet aus dem Flugzeug sprangen ("Skydiven") und uns am naechsten Tag trennten, da Anna das Tongariro-Crossing machen wollte (Wanderung ueber Vulkane), es mich aber (nach sage und schreibe 14-Monatiger Abstinenz) vielmehr auf die nahegelegenen Skifields des Mt. Ruhapehu zog. Natuerlich ist dieses Skigebiet nicht ansatzweise mit St. Anton am Arlberg zu vergleichen, trotzdem hat es sich sehr gut angefuehlt, wieder einmal auf Skiern zu stehen. Dank Dan, den ich im Sommer in Queenstown kennengelernt hatte, durfte ich in den Mitarbeiterquartieren des Pisten-(und Skischul-)personals uebernachten, was sehr viel Spass machte. Endlich wieder Menschen, die sich stundenlang ueber Schneeverhaeltnisse, Lawinen und nervige Schischueler unterhalten koennen, oh wie habe ich dies vermisst!!!

However. Als wir von unserem Ausflug zurueck nach Napier kamen, war es an der Zeit Abschied zu nehmen. Dies fiel mir sehr schwer. Die Jungs in Napier waren mittlerweile sehr gute Freunde geworden und es war seltsam, zu wissen, dass diese Menschen, die mir so nahe standen schon bald soooo weit weg sein werden. Zumindest geographisch. (ich weiss nicht, ob diese Saetze richtig waren. zumindest grammatikalisch;-)
In Napier verabschiedeten wir uns auch von Bruno, unserem Automobil, welches wir Shahns kauffmaennischem Talent ueberliessen und reisten daraufhin per Anhalter weiter.

Nach Napier gings nach Gisborne zu Tanya und Andrew. Dort wurden die letzten Tage mit taeglichen Jam-Sessions, gutem Essen, einer "hens-night" (Polterabend der Braut) ohne "hen" (sie wurde kurz zuvor von einer Fiebergrippe eingeholt) und natuerlich ausreichend Gisborne Gold gefeiert. Dies waren schliesslich nicht nur die letzten Tage in der Stadt mit den ersten Sonnenstrahlen sondern auch die letzten Tage, die Anna und ich auf unserer Reise gemeinsam verbrachten. Natuerlich verschwanden diese "Tagesquadrate" viel zu schnell unter kleinen ("schon-gewesen"-) Kreuzchen und schon bald fand ich mich selbst in einem Bus wieder.

Es muss ein jaemmerlicher Anblick gewesen sein, wie ich so am Fenster sass, ohne ausreichendem Schoenheitsschlaf (der Bus fuhr bereits um 7 uhr los), im Pijama (da alle meine Kleider ueber Nacht auf der Waescheleine gehangen waren, und es wie aus Kuebeln geregnet hatte), und mit Traenen in den Augen versuchte, die letzten Bilder Gisborns in meinem Kopf zu speichern.
Die gesamte Busfahrt hindurch wurde ich regelmaessig von heftigen Emotionswellen heimgesucht (Vollmond hoch drei=). Einerseits machte es mich unendlich traurig, so viele mittlerweile enge Freundschaften zurueckzulassen, andererseits freute es mich riesig, dass ich all diese besonderen Menschen kennenlernen durfte, und eine so unglaublich schoene Zeit verbringen durfte. Hinzu kommt, dass es ein unglaublich schoenes Gefuehl ist, zu wissen, dass es irgendwo Menschen gibt, die sich riesig freuen, dich zu sehen, auch wenn es nur drei oder vier Tage sind, Menschen, mit denen du ueber alles reden kannst, Menschen, bei denen du jeder Zeit an die Tuer klopfen kannst, und du wirst umarmt und gekuesst bevor du ueberhaupt Hallo sagen kannst, Menschen, die von der Arbeit frei nehmen, nur um mit dir auf ein Rugby-Game zu gehen und dich noch ein paar Stunden zu sehen.
Menschen wie Tanya und Andrew, Shahn und Dan und andere...

Es fuehlt sich merkwuerdig an, sich unter Traenen fuer einen der gluecklichsten und froehlichsten Menschen auf der Erde zu halten.

Die 13 Stunden Fahrt vergingen wie im Fluge und irgendwann waren wir in Wellington. Die Zeitangabe auf meinem Handy sagte mir, es waere bereits 20:15 und da Tim mir geschrieben hatte, dass Hamish und Osakas Band an diesem Abend am "Battle of Bands"-Wettbewerb in der Bodega Bar teilnehmen wuerden, machte ich mich gleich auf den Weg. Immernoch im Pijama und mit Backpack und zwei weiteren Taschen in der Bar angekommen, traf ich bald Hamish und Osaka und lernte auch die anderen Bandmitglieder Chris, Matt und nochmal jemanden, dessen Namen mir leider entfallen ist, kennen. Die Jungs spielten hervorragend (Experimental-Jazz-Funk?) und gewannen den Wettbewerb, was natuerlich gefeiert werden musste. Vor allem mit Chris verstand ich mich auf Anhieb sehr gut und so verbrachte ich die naechsten drei Tage in einer WG in Oriental Bay (Stadtteil von Wellington, der direkt am Meer liegt, und mit einem Segelboot-Hafen, Palmen und Fischrestaurants eher an Italien als Neuseeland erinnert).

Am Samstag Morgen ging ich jedoch auf die Faehre Richtung Suedinsel, wo ich als naechstes Boris, Vicky und Steve besuchen wollte.

Schon wieder musste ich so viele Menschen zuruecklassen. Lucia, Malte, Tim, Osaka, Hamish, Simon, Tessa, Gina, Nina, Chocalte-Cafe-Tim und Chris...sie alle werden in Wellington bleiben und bald 26 Flugstunden weit entfernt sein.
Und schon wieder war ich traurig, uebergluecklich und uebermuedet zugleich. Was fuer ein Dejavue...

Auf dem Schiff lernte ich Arthur, Steven und Max kennen, drei Australier, welche fuer eine Strassenbaufirma arbeiteten und von Picton (dort landete die Faehre) weiter nach Westport fuhren. Sie boten mir an, mit nach Nelson mit zu nehmen, und so war ich entgegen meinen Erwartungen bereits um drei Uhr Nachmittags in Nelson.
Gegen Abend kamen dann Vicky, Steve und Boris, welche immernoch in Riwaka arbeiten, und an diesem Abend aufs Ddub-Konzert in Nelson gingen. Ich ging mit, und es wurde ein grenzgenialer Abend...Ddub live, waermstens zu empfehlen!
Am naechsten Morgen musste ich mich wieder verabschieden, was mir vorallem bei Boris sehr schwer viel, da er dabei ist, die New Zealand-Residency zu bekommen und vermutlich nie mehr nach Europe zurueck ziehen wird.
Steve brachte mich gegen 10 nach Motueka, von wo aus ich nach Nelson und dann nach Greymouth hitchhikte. Dort besuchte ich ein letztes Mal Brecon und seine Freunde, bevor ich mich heute morgen Richtung Franz Josef Glacier begab.
Doch auch dies ist nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Queenstown, zu Ann-Kristin (heyho, ez hannis endlich bald gschafft, di zum bsuacha=). Die beiden Amerikaner, die ich heute Abend kennengelernt habe, koennen mich jedoch nur bis nach Wanaka mitnehmen und ich weiss noch nicht, ob ich da noch eine Nacht bei Chips&Co bleibe (bleiben darf/kann=) oder gleich weiterreise.
Danach gehts vermutlich weiter nach Dunedin, wo, wie ich soeben gelesen habe, ausgerechnet kommenden Freitag Abend alle meine 4 Lieblings-Studenten-Bands in einer Bar spielen (unter anderem Bens Band "Biff Merchants", Simons Band "The Bones", Davids Trip-Hop Band "Vibrasics", und "Retrophonic Funk Machine", Freunde von Simon).....des isch wia Whiinaechta und Ostra zemmet...
Nach Dunedin gehts nach Christchurch, wo ich mich dann ein letztes Mal von der Poulsen-Street WG verabschieden darf/muss/kann und hoffe, dass mich am Dienstag jemand zum Flughafen bringt...=)
Und am 31. Juli sollte ich dann schliesslich (hoffentlich ausgeschlafen) in Muenchen ankommen...wo mich hoffentlich jemand abholt und nach Hause faehrt. Hoam.

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